Archiv der Kategorie: Südtirol

Arrivederci, Bel Alto Adige!

​Koffer gepackt und in das Auto verfrachtet, Rechnung beglichen, Frühstück eingenommen… in die Grundschule von Milland aufgebrochen. 

Todesmutig wirft sich eine Verkehrsregulatorin in den Straßenverkehr und geleitet uns sicher über den Zebrastreifen. Ohne weitere Gefahren gehen wir in die kulturelle Prägeanstalt.

Johanna, die uns gestern einen guten Tipp bezüglich der abendlichen Nahrungsaufnahme gegeben hat, begrüßt uns in ihrer Grundschule, die direkt neben unserem beliebten EUROSPAR liegt.

Wir erleben in der 4. Klasse einen spannenden Unterricht zum Thema „Internationaler Tag der Kinderrechte“. Frische Gerbera schmücken die Tische der 14 Schüler.

Anschließend hechten wir zur Mittelschule Pacher hinüber, wo wir uns eine Freiarbeitsstunde zu Gemüte führen.

Frau Direktor Flöss empfängt uns um 11.30 Uhr zum Abschlussgespräch, das sie sogleich ins nächste Café verlagert. Bei Strudel und Cappuccino tauschen wir uns über die Erlebnisse der Woche aus.

Nach einer herzlichen Verabschiedung mit gleichzeitiger Einladung nach Coburg machen wir uns auf den Heimweg.

Hoch hinaus 

Die zwei verbliebenen Erasmus-Plus-Mobilitäten besteigen in aller Herrgottsfrüh den Omnibus in Richtung Afers. Schwindelig wird es uns auf der rasanten Fahrt die Passstraße hinauf. 1000 Höhenmeter sind in Windeseile überwunden und wir stehen mit ungläubigen Augen vor dem 7 Millionen Euro teuren Prachtbau der Grundschule von Afers. 

Wir werden herzlich aufgenommenen und dürfen am Unterricht der gemischten Klasse 1 und 2 teilnehmen. Wir üben uns im Schreiben und Lesen. Ich darf die Stunde mit den „Olchis“ schließen. Die Kinder hängen gebannt an meinen Lippen. 

Nach der Pause, die alle Kinder auf dem schönen Spielplatz verbringen, besuchen wir die 4. Klasse in den Fächern Englisch und Religion. Besonders fällt uns der wertschätzende Umgang mit den Schülern auf.  

Nachdem wir uns im Gasthaus gegenüber mit Ribble gestärkt haben, genießen wir die schöne Landschaft bei einer ausgedehnten Wanderung.

Aber bald geht es wieder zurück ins Tal nach Brixen. Professor Keiner von der Fakultät für Bildungswissenschaften empfängt uns in seinem Büro und klärt uns  über die südtiroler Lehrerbildung auf. Er ist gebürtiger Fürther. Somit gibt es keine Sprachbarrieren. Ich bin auch des Mittelfränkischen mächtig. 

Wehmütig durchschreiten wir die nun schon weihnachtlich geschmückte Altstadt. Morgen geht es leider schon wieder zurück…

Hier einige Eindrücke des kulinarischen Spektrums unserer Reise:

Von den Musen geküsst

Heute besuchen wir die Klasse 1.2.3.D der Montessori-Grundschule. 17 Kinder aus drei Jahrgangsstufen werden während der Freiarbeitsphase von zwei Lehrkräften betreut. Die großen Unterschiede im Lernfortschritt erfordern von den Lehrern besonderes Geschick bei der Auswahl und Zuteilung der Arbeitsmaterialien. 

Frau Dr. Flöss begleitet uns im Anschluss daran zur Universität von Brixen. Dort zeigen 20 Zweitklässler mit Violinen und Celli ihr Können. 

Nach dieser Wohltat für die Ohren werden wir von unserer Gastgeberin durch ihre Heimatstadt Brixen geführt und in eine Lokalität entführt , wo wir mit Gulasch und Spinatknödeln verwöhnt werden.

Eine kleine sportliche Einlage verbrennt die überschüssigen Kalorien:

Hochinteressant und besonders kurzweilig ist für uns der am Nachmittag tagende Arbeitskreis Kinder- und Jugendliteratur. 

Den ereignisreichen Tag lassen wir – nach der Abreise von Herrn Dr. Jakob nur noch zu zweit – bei einem Bummel im abendlichen Brixen Revue passieren. 

Der frühe Vogel…

Eine Viertelstunde früher als für uns gewohnt beginnt in Brixen-Milland der Unterricht schon um 7.45 Uhr. Freiarbeit steht an diesem Morgen auf dem Plan der Montessori-Klassen 1B und 3A – was bei uns der 6. und 8. Jahrgangsstufe entspricht. 

Die Regeln sind nicht nur in Folie gebrannt, sondern auch in den Köpfen der Schülerinnen und Schüler verankert. Während der intensiven Freiarbeitsstunden unterhalten sich die Schüler allenfalls im Flüsterton. Konzentriertes Arbeiten ist somit über die gesamten 100 Minuten möglich. Uns fallen nützliche Details auf, die wir übernehmen könnten:

Der Abschluss der Arbeitsphase wird mit klassischer Musik signalisiert – allerdings hätten wir  uns eher Beethovens Frühlingssonate als Mozarts Requiem vorgestellt. 

Von St.-Martins-Gebäck handelt der im Anschluss besuchte frontal durchgeführte Italienisch-Unterricht. Der im Verlauf der Stunde aufkommende Hunger wird im Centro Storico von Brixen gestillt. 

Am Abend nehmen wir an einer Informationveranstaltung für Eltern zukünftiger Schüler teil. Auch wenn aufgrund des Schulsprengel-Systems eigentlich keine Wahlmöglichkeit bezüglich der zu besuchenden Schule besteht, bewegen die Eltern die gleichen Fragen wie an unserer Schule.

Crashkurs: Schule in Südtirol

Maria-Montessori-Straße 2: Die Adresse der Mittelschule „Michael Pacher“ ist – wie wir im Verlauf des Vormittags erfahren – nicht zufällig entstanden. Schulleiterin Dr. Elisabeth Flöss führt uns mit Südtiroler Charme durch die Schule und versorgt uns en passant mit umfangreichen Informationen über die Rahmenbedingungen des Südtiroler Bildungssystems – angefangen von der Lehrerbildung über die Schulfinanzierung bis zur Struktur der Schuladministration.

Inklusion von Schülern mit Handicap wird nach den Worten von Frau Flöss im Schulsprengel Brixen-Milland ganz selbstverständlich praktiziert. 

Wir sind beeindruckt, dass italienische Schulen mit den „Schulwarten“ über dienstbare Geister verfügen, die eine Mischung aus Seelentröstern, Hausmeistern und Raumpflegern sind. Überhaupt blicken wir ein wenig neidisch darauf, wie die Lehrkräfte hierzulande durch Verwaltungskräfte entlastet werden. Andeutungen von Lehrkräften entnehmen wir aber, dass hinsichtlich unserer Bezahlung keine Unzufriedenheit gegenüber Südtirol am Platze ist.

Anders als bei uns in  Bayern sind Montessori-Klassen in Südtirol Teil des staatlichen Bildungsangebotes. Ermöglicht wird dies durch wesentlich größere Freiheiten in den schulrechtlichen Bestimmungen. 

Am Nachmittag erleben wir eine straff ergebnisorientierte Sitzung der Koordinatorinnen für das Schulcurriculum. Ziele, Evaluation, Qualitätskreislauf: die Begriffe kommen uns bekannt vor…

Angekommen 

Nach angenehmer Fahrt über den schon schneebedeckten Brennerpass ging es auf Entdeckungsreise in die malerische Altstadt von Brixen. Die ersten Topfenknödel wurden getestet und für gut befunden. Wir sind gespannt auf den morgigen Tag!

Vor die Reise haben die Götter die Formulare gesetzt

Das Programm für unseren Besuch in Südtirol steht, die Kontakte sind geknüpft, ein Hotelzimmer ist gebucht. Ein Mandat, Mobilitätsvereinbarungen, Qualitätsverpflichtung, Teilnehmervereinbarungen – der Papierstapel wächst. Aber es ist verständlich, dass die Administration der EU für die sinnvoller Verwendung öffentlicher Gelder sorgen muss. Für den bürokratischen Aufwand werden wir sicherlich durch einen anregenden, inspirierenden Aufenthalt mit neuen Impulsen für unsere Schule belohnt. Wir freuen uns darauf!